Wertvoller Föhrenwald Hundsruggen

Lichte Föhrenwälder gehören zu den artenreichsten und wertvollsten Lebensräumen im Aargau!

Wie eine langfristige Vegetationsuntersuchung zeigt, verändert sich das Artenspektrum über längere Zeit deutlich. Das Verständnis dieser Entwicklung ist wichtig, um die biologische Artenvielfalt zu erhalten.

Der Hundsruggen, im Sagemülital, Gemeinde Bözberg, ist ein botanisches Juwel. Über 200 Pflanzenarten, darunter 23 Orchideen und 52 (gemäss Artenschutzkonzept) wertvolle Arten, gedeihen in diesem Föhrenwald. Insgesamt drei Arten gelten als prioritär im Aargau: die Kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola), der Abgebissene Pippau (Crepis praemorsa) und die Knollige Kratzdistel (Cirsium tuberosum). In der Roten Liste sind diese als gefährdet aufgeführt. Sie stehen stellvertretend für alle wertvollen Arten, die auf den gleichen Standort angewiesen sind.

Föhrenwälder sind ehemaliges Kulturland.

Wie ist es zu einem so wertvollen Bestand gekommen?

Bis ins 19. Jahrhundert liessen die Bauern das Vieh im Wald weiden. Dies führte generell zu
einem nährstoffarmen Standort und förderte einen lückigen Bestand von Nadelbäumen wie Föhren oder Wacholder. Die im Wald erkennbaren Reste ehemaliger Feldraine (bewachsene Grenzstreifen zwischen Äckern oder Fluren) deuten auf eine frühere ackerbauliche Nutzung hin.

Im 19. Jahrhundert entstand im südöstlichen Teil ein Rebberg, in den die Bauern Boden aus dem angrenzenden Föhrenwald zugeführt hatten.

Etwa 1935 fand ein Waldbrand statt, der den Bestand stellenweise ganz auslichtete. Die Föhren blieben erhalten, da sie relativ feuerresistent sind.
Gemäss einem Luftbild von 1969 stellt sich das Gebiet als ausgesprochen lockerer Waldbestand dar.

Seit zirka dem Jahr 2000 pflegen Mitarbeitende der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer den Hundsruggen. Sie machen die fortschreitende Verbuschung rückgängig und führen eine späte Mahd im März durch. Dies ist ideal für Spätblüher wie Enziane. Dadurch bleibt der sonnige Wald erhalten und es kommt viel Licht in die Bestände.

Bemerkenswerter Artenwandel
Max Gasser von Gallenkirch untersuchte den Föhrenwald Hundsruggen bereits als Kantonsschüler in den Jahren 1976/1977 und wiederholte die Vegetationsaufnahmen 2014/2016. In den 70er-Jahren kamen 206 Arten vor und bei der letzten Untersuchung 241. Ganze 27 Arten wurden nicht mehr festgestellt und 62 sind neu aufgetaucht. Die wertvollen Arten nahmen jedoch von 52 auf 49 ab, wobei 8 ausblieben und 5 neu entdeckt wurden. Generell sind kleine feingliedrige, konkurrenzschwache Pflanzen verschwunden und Arten des geschlossenen Waldes neu hinzugekommen. Die drei prioritären Arten sind jedoch immer noch da.
Innerhalb der letzten 40 Jahre ist die Sukzession der lichten Wälder deutlich fortgeschritten und kahle offene Pionierstellen sind zugewachsen. Der Bestand der Kleinen Spinnen Ragwurz, die auf Areale beschränkt ist, wo vor 150 Jahren der Boden abgetragen wurde, nahm um über ein Drittel ab.

Bei der zweiten prioritären Art, dem Abgebissenen Pippau, einer Art der nährstoffarmen halbschattigen Lagen, hat sich der Bestand sogar halbiert.
Auch für die Spätblüher wird die Situation schwieriger. Seit einiger Zeit konkurriert das üppig wachsende Pfeifengras die Spätblüher und verdrängt sie.

Die Knollige Kratzdistel, die erst im Juli und August blüht, ist ebenfalls um fast ein Drittel zurückgegangen.

Wie soll ein Föhrenwald gepflegt werden?
Langfristige Untersuchungen geben nicht nur Aufschluss über Vegetationsveränderungen während längerer Zeit, sie liefern auch konkrete Hinweise, welche Schutzmassnahmen besonders geeignet sind.

Dank der Mahd im März mit Abführen der Streu kann der wertvolle Standort gut erhalten werden.

Jedoch treten zwei Probleme zutage:
Die Mahd verändert langfristig einen Waldstandort in eine Wiese mit Bäumen. Mit dieser Massnahme verschwinden die Arten der offenen Wälder.

Und wegen der natürlichen Sukzession, die sich infolge erhöhten Nährstoffeintrags über die Luft beschleunigt, schliessen sich die Pionierstandorte nach und nach. Auch das Pfeifengras wächst üppig weiter.
Um die grosse Biodiversität zu erhalten, müssen mehr Nährstoffe ausgetragen und das Graswachstum gebremst werden.

Für die Pflege lassen sich wichtige Prinzipien aus der Geschichte der bisherigen Nutzung des Föhrenwaldes herleiten.

  • So haben folgende Massnahmen zum aktuellen wertvollen Bestand geführt:
    Beweidung (mit Rindern, Schafen oder Ziegen)
  • Bodenabtrag
  • Brand (Mindestens ein Brand hat in den letzten 100 Jahren stattgefunden.)
  • Mahd (Mahd im Herbst für Streunutzung, Mahd im März)
  • Auslichten (Holznutzung, Entbuschung)

Ebenso wichtig wie die Massnahme

selber ist die zeitliche und örtliche Abwechslung der Pflege, um den ökologischen Ansprüchen von möglichst vielen Arten gerecht zu werden.

Quelle: Max Gasser | Natur- und Vogelschutzclub Bözberg | im Auftrag der Abteilung Landschaft und Gewässer

Herzlichst Agatha

 

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